Warum ich SP-Politikerin bin


Je durchmischter und freier unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger wird der Staat. Nur ein starker Staat kann die in der demokratischen Verfassung vereinbarten Normen durchsetzen. Nur ein starker Staat hat die Macht, annähernd gleiche Lebensverhältnisse für alle zu sichern. So dass das Leben jedes Einzelnen gelingen kann, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Religion oder Einkommen der Eltern.

Die Schweiz muss Herz, Kopf und Hand zeigen, unser Land darf niemanden zurücklassen.

Und dann waren da Franca und Philippe. Franca war das Kind italienischer Gastarbeiter und besuchte mit mir den Kindergarten. Philipp war ein Junge mit einem angeborenen Herzfehler. Und natürlich auch Don Camillo und Peppone. Franca sprach kein Wort Deutsch und ich kein Italienisch. Ich wusste einfach: Wir heissen gleich, wir tragen beide einen langen Haarzopf und beinahe die gleiche Schürze. Ich war stolz, dass wir zwei miteinander spielen konnten. Dann kam der Tag, der mich prägte: Franca und ich spielten nach dem Kindergarten gemeinsam draussen auf der Strasse. Verständigten uns mit Handzeichen und lachten. Ein Nachbar ging vorbei und mahnte mich: „Fränzi, pass auf, das sind Tschinngen, die sind nicht gut für Dich.

Philippe, der Junge mit einem angeborenen Herzfehler. Seine Lippen waren ständig blau, er hatte keine Energie. Mit ihm zu spielen, war eine Herausforderung für ihn wie für mich. Wir erstarkten beide daran. Ich war und bin froh, dass ich damals schon erfahren durfte, dass Integration alle fördert und stärkt. Ganz besonders diejenigen, die keine Beeinträchtigung haben. Philipp starb während unserer Kindergartenzeit.

Und dann war da noch der Fernseher meiner Grossmutter. Schwarzweiss und nur sonntags. Wie gebannt schaute ich den schlagkräftigen, schlitzohrigen Handlungen eines Priesters und eines nicht minder gefitzten, kommunistischen Bürgermeisters, genannt Don Camillo und Peppone, zu. Da habe ich Lunte gerochen und wusste sofort: Ich will politisieren! Wer diskutiert, hat auch etwas zu sagen. Schweigen ist göttlich und Reden ist menschlich! Das Wichtigste, das ich beim Reden gelernt habe, ist, dass ich vor allem den Menschen gut zuhören muss!