Gleichstellung

Regen Sie sich auf, wenn ich Ihnen sage, dass alle Schweizer Frauen zusammen jährlich 7,7 Milliarden Franken weniger verdienen als die Männer? Und dass 2,9 Milliarden davon auf reiner Diskriminierung basieren? Finden Sie: «Halb so schlimm?» Oder sagen Sie: «Was soll’s, es gibt grössere Probleme. Den täglichen Stau auf der A1 zum Beispiel.»

So lange die Gleichstellung bei der Arbeit eine Sonderstellung ist, müssen wir gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen. Unterdrückung und Diskriminierung sind keine Fragen des Geschlechts, sondern des Anstandes!

Wir Frauen müssen dabei auch selber Verantwortung übernehmen und für politische Ämter kandidieren. Wir Frauen müssen unsere eigenen Vorbilder sein. Dass wir Frauen schlechter gestellt sind, liegt einfach nicht in der Natur der Sache, sondern an unserer Kultur!

Ein Mann sagte kürzlich zu mir, dass mehr oder weniger alle linken Frauen Vogelscheuchen seien und ich ihm ja nicht mit diesem Streikschmarren vom 14. Juni kommen solle. «Okay», habe ich erwidert, «wenn wir als Vogelscheuchen gleich viel Lohn und Sozialleistungen für die harte Arbeit auf dem Feld bekommen wie der Bauer für das Säen und Ernten, dann ist ja alles bestens!»

Wenn wir schon bei der Feldarbeit sind: Über die Hälfte der Bauersfrauen verdienen nichts. Und dabei arbeiten sie praktisch überall mit: auf dem Feld, im Stall, im Garten. Sie übernehmen nicht selten die Administration und sind für den Haushalt verantwortlich. Drei Viertel der Bauernfrauen sind nicht sozialversichert. Ohne Lohn und Arbeitsvertrag gelten sie als Nichterwerbstätige. Dadurch erhalten sie im Alter lediglich die AHV und davon meist nur das Minimum. Überhaupt keine soziale Absicherung hat eine Bäuerin, wenn sie schwanger wird. Als Nichterwerbstätige hat sie kein Recht auf Mutterschaftsversicherung.

Sind wir in Sachen Gleichstellung trotz Gesetz und mehrjährigem Kampf aus den Wolken gefallen und unsanft auf dem Boden gelandet? Reden wir – jetzt wo der Frauenstreik ein Thema ist - über den bösen Mann und die gute Frau? Nein. Es geht nicht darum, Frauen und Männer gleich zu machen – es geht darum, uns gleich zu stellen.

Seit Jahren reden wir von Gleichstellung. Seit über 30 Jahren hören wir die gleichen Ausreden, das immer wiederkehrende lächerlich machen unserer Forderungen. Das dabei schlimmste ist, dass sogar Frauen aus den Parteien der FDP, CVP und SVP uns Steine in den Weg legen. „Das braucht einfach Zeit!“, heisst es da zum Beispiel.

Nein. Wer die Zeichen der Zeit nicht lesen kann, braucht neue Uhren. Wir müssen zeigen, dass zickig, stutenbissig und prämenstruell Synonyme für zielstrebig, kompetent und erfolgreich sind!

Wir Frauen sind die Fachpersonen in der Debatte für eine echte Elternzeit und klare Rahmenbedingungen, für berufstätige Jungeltern, für gute und bezahlbare Krippenplätze, für Alimentenbevorschussung für alle, für eine harte Bestrafung bei Lohndiskriminierung, für einen besseren Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.